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Letzter Abend in Dublin

Ich sitze in einem netten, kleinen Pub mitten in Dublin. Dies ist der vorerst letzte Abend in dieser quirligen Stadt, morgen früh geht es Richtung Süden in die Wicklow Mountains. Hurricane Katia hat sich mittlerweile zum Glück etwas beruhigt und ist ohne größere Schäden weitergezogen. Obwohl Irland nur am Rande gestreift wurde, hatten wir in Böen bis zu 10 Windstärken in der Stadt.

Der Wind hat das Gehen, ja sogar manchmal selbst das Stehen und Fotografieren zu einer Herusforderung werden lassen. Zum Glück war das Wetter sonst ganz akzeptabel, ab und zu Regen gehört hier halt dazu. Aber viel oder gar lange war es nie.

Gestern stand erstmal Sightseeing auf dem Programm. Am Nordufer des Liffey ging es zunächst Richtung Osten. Dort stehen die Skulpturen des Famine Memorial. Die große Hungersnot Mitte des 19. Jh. war eines der einschneidensten Ereignisse in der Geschichte Irlands. Kartoffel war damals die Nahrungsgrundlage der Iren, das angebaute Getreide wurde vollständig nach England exportiert. Zwischen 1845 und 1848 kam es durch Ausbruch der Kartoffelfäule zu einem kompletten Ausfall der Ernte. In der Folge starben rund eine Million Menschen, weitere zwei Millionen wanderten aus. Das waren insgesamt fast die Hälfte der damaligen Bevölkerung.

Blickt man von dem Denkmal aus auf die andere Seite des Liffey, so sieht man den Hauptsitz der Ulster Bank Group, einer der großen Irischen Banken. Der Blick zeigt, welchen Weg Irland in den letzten 165 Jahren zurückgelegt hat.

Über die Samuel Beckett Brücke ging es dann Richtung Temple Bar, dem wohl lebhaftesten Teil der Stadt mit vielen Bars, Pubs und Cafes. Nach einem verspäteten Mittagessen ging es dann von dort aus weiter zur St Patrick’s Cathedral.

Heute bin ich zum Trinity College gelaufen, um mir dort die Bibliothek und das „Book of Kells“ anzuschauen. Es ist wirklich unglaublich, mit welchem Detailreichtum die Mönche hier vor über tausend Jahren diese Bücher geschrieben und illustriert haben. Die Muster und Bilder sind mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Kaum vorstellbar, wie man sie ohne technische Hilfsmittel zeichnen konnte.

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