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Entlang des Icefield Parkway

Am frühen Vormittag brechen wir auf und fahren zunächst zum Mount Whistler. Von der Talstation aus bringt uns die Seilbahn bis auf eine Höhe von rund 2.200 Meter, die restlichen 200 Höhenmeter zum Gipfel führt ein Fußweg. Dort bietet sich uns ein grandioser Rundblick über die Gipfel der Rocky Mountains.

Im Norden bilden die Victoria Cross Ranges mit dem markanten Pyramid Mountain die Nordflanke des Tales des Yellowhead Rivers. Östlich davon, jenseits des Maligne Rivers, schließen sich die parallel verlaufenden Jacques Range und Colin Range an. Im Vordergrund beginnen die Maligne Ranges, die sich entlang des Athabasca Tales nach Süden ziehen. Der Bergkette vorgelagert, rund 30 km entfernt von uns, liegt der Mount Kerkeslin. Südlich des Gipfels des Wistlers schließlich liegen die übrigen Gipfel der Trident Range.

Kurz vor Mittag fahren wir wieder runter zur Talstation. Von hier aus geht es entlang des Icefield Parkways durch das Athabasca Tal Richtung Süden.

Der Icefield Parkway ist ein rund 230 Kilometer langer Abschnitt des Highway 93 zwischen Jasper im Norden und Lake Luise im Banff National Park im Süden. Der Weg führt zunächst durch das Tal von Athabasca und Sunwapta River bis zum Sunwapta Pass. Von dort geht es durch das Tal des North Saskatchewan River und Mistaya Riover zum Bow Pass. Der letzte Abschnitt schließlich führt durch das Bow Valley bis zum Lake Luise.

Unsere erste Station ist an den Athabasca Falls am Fuße des Mount Kerkeslin. Der Wasserfall ist zwar mit nur 23 Metern Fallhöhe für kanadische Verhältnisse nicht unbedingt hoch, gehört aber dennoch zu den mächtigsten Wasserfällen des Landes.

Der Fluss donnert hier über einen harten Quarzitriegel in eine enge Schlucht, die das Wasser im Laufe der Zeit in den tiefer liegenden und weicheren Kalkstein eingeschnitten hat.

Etwa 20 Kilometer südlich der Athabasca Falls liegen die Sunwapta Falls. Diese sind aber weit weniger beeindruckend als die Athabasca Falls. Deshalb bleiben wir nur kurz und fahren dann weiter. Mittlerweile sind wir auf rund 1.600 Meter Höhe angekommen und damit etwa 400 Meter höher als Jasper. Die Baumgrenze kommt immer näher während wir weiter an Höhe gewinnen und uns dem Columbia Icefield nähern.

Das Columbia Icefield liegt an der Grenze zwischen dem Jasper National Park im Norden und dem Banff National Park im Süden, sowie außerdem an der Grenze zwischen Alberta und British Columbia. Es bildet das größte Eisfeld der Rockies und umfasst eine Fläche von 325 qkm. Es ist ein Relikt einer riesigen Eisfläche, die während der letzten Eiszeit den gesamten Norden Amerikas bedeckte.

Das Eisfeld liegt zwischen elf der höchsten Gipfel der Rocky Mountains und speist insgesamt acht große Gletscher, deren Schmelzwässer in drei verschiedene Ozeane abfließen: Dem Arktischen Meer im Norden, dem Pazifischen Ozean im Westen und dem Atlantischen Ozean im Osten. Das Eisfeld bildet somit, wie auch der nahegelegene Sunwapta Pass, die wichtigste Wasserscheide Nordamerikas.

Wir machen unterhalb des Athabasca Gletschers Halt und laufen zur Gletscherzunge. Der Gletscher ist insgesamt etwa 5,5 Kilometer lang und an der Zunge rund 1 Kilometer breit. Sein Endpunkt liegt heute auf einer Höhe von rund 2.000 Meter. Noch vor rund 160 Jahren reichte der Gletscher bis auf die andere Seite des Tales, dorthin wo sich heute der Parkplatz des Visitor Centers befindet. Alleine zwischen 1922 und 1960 ist der Gletscher um rund 1100 Meter kürzer geworden. Anschließend hat sich der Rückzug zwischenzeitlich etwas verlangsamt, aber seit etwa 1992 zieht sich der Gletscher erneut um rund 24 Meter pro Jahr zurück. Wegmarken zeigen an, wohin die Gletscherzunge in früheren Jahren noch gereicht hat. Obwohl sich der Endpunkt des Gletschers zurückzieht, fließt der Gletscher selbst mit durchschnittlich 0,2 cm pro Stunde ins Tal. Er ist also ständig in Bewegung. Dennoch kann man ihn im unteren Bereich in ausgewiesenen Abschnitten betreten. Außerdem kann man den Gletscher mit so genannten „Snow Coaches“ befahren.

Der rasche Rückzug des Gletschers zeigt sich auch in der Landschaft. Die Bereiche direkt unterhalb des Gletschers, die noch vor wenigen Jahrzehnten vom Eis bedeckt waren, sind noch praktisch vollkommen vegetationsfrei. Erst ganz langsam erobern einzelne Gräser das Gebiet.

Bevor es weitergeht, machen wir noch eine Rast in nahegelegenen Visitor Center, das unter anderem eine ausführliche Ausstellung über die geologische Geschichte der Rocky Mountains sowie ein Modell des Columbia Icefields bietet. Gleichzeitig hat man hier einen wunderschönen Blick über den Gletscher und die ihn umgebenden Berge.

Am frühen Nachmittag fahren wir weiter und erreichen wenige Kilometer hinter dem Center den 2035 Meter hohen Sunwapta Pass. Er bildet zugleich die Grenze zwischen den Nationalparks von Jasper und Banff und außerdem die wichtigste Wasserscheide Nordamerikas.

Hinter dem Pass ist das Tal zunächst sichtlich enger und fällt relativ schnell auf Höhen von etwa 1.600 Meter ab. Dann weitet es sich wieder und der North Saskatchewan River bildet hier zum Teil ausgedehnte Seen.

Gegen Abend erreichen wir Saskatchewan Crossing. Hier biegt der Fluss nach Osten ab und verlässt den Banff National Park. Saskatchewan Crossing ist keine Stadt, sondern eigentlich nur ein großer Parkplatz an einer Straßenkreuzung mit einem Restaurant, einer Kneipe, dem unvermeidlichen Souvenirshop, einer Tankstelle und einem Motel. Wir nehmen uns ein Zimmer und genießen den Ausblick auf die umliegenden Berge, die noch von den letzten Sonnenstrahlen des Tages erreicht werden. Morgen geht es dann den Icefield Parkway weiter Richtung Peyto Lake und Lake Louise.

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