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Durchs Tor der Hölle

Der Fraser River ist mit 1360 km einer der wichtigsten Flüsse im Nordwesten Amerikas. Er entspringt in den Rocky Mountains in der Nähe des Yellowhead Passes, fließt zunächst nach Norden und dann bei Prince George in einem großen Bogen Richtung Süden entlang der Coast Mountains, wo er sich immer tiefer in einen eingräbt und schließlich das Küstengebirge in einem grandiosen, teilweise 1000 Meter tiefen Canyon durchbricht.

Die engste Stelle des Canyon ist Hells Gate. Sie wurde im Juni 1808 Simon Fraser entdeckt. Er schreibt in seinem Tagebuch dazu:

We had to travel where no human being should venture – for surely we have encountered the gates of hell.

Fraser hat durchaus Recht mit seiner Beschreibung. Das Tal ist an dieser Stelle nur etwa 35 Meter breit und je nach Wasserstand zwischen 40 und 60 Meter tief. An durchschnittlichen Tagen schießen hier ca. 900 Millionen Liter Wasser pro Minute hindurch, immerhin mit einer Geschwindigkeit von bis zu 37km/h.

Zu Frasers Zeiten war der Fluss jedoch noch deutlich breiter. Erst beim Bau der Eisenbahn 1914 ist nach Sprengungen ein Teil der flankierenden Felswand in den Fluss gestürzt. Auf Grund dieser Verengung nahm die Fließgeschwindigkeit so stark zu, dass die Lachse es nicht mehr zu ihren Laichgründen schafften. Man hat deswegen bereits 1940 die ersten Fischtreppen eingerichtet.

Für die Touristen führt heute eine Seilbahn über den Fluss. An der unteren Station ist eine Aussichtsplattform, von der aus man einen guten Blick auf den reißenden Fluss hat.

Wir fahren weiter den Trans Canada Highway entlang flussaufwärts. Bei Lytton verlässt der Highway den Fluss und biegt nach Nordosten ab. Am Abend erreichen wir Spences Bridge. Wir übernachten im Garuda Inn, einem der ältesten Hotels in British Columbia.

Die Eigentümer, Lynne und Ray Nigalis, sind erst Anfang des Jahres von Toronto hier her gezogen, um das Hotel zu übernehmen. Es ist noch nicht vollständig renoviert, aber trotzdem schon sehr behaglich. Ray ist eigentlich Ingenieur, aber eben auch begeisterter Naturphotograph, weswegen er hier her gezogen ist.

Der Ort selbst ist ziemlich verschlafen. Es gibt ein kleine Holzkirche und einen halb verwilderten Friedhof. Auf der anderen Flussseite stehen ein paar mehr Häuser und es gibt sogar einen kleinen Pub. Aber obwohl es Samstag Abend ist, sind wir lange Zeit die einzigen Gäste im Lokal.

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