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Krokodile, Schlangen & Termiten

Um kurz vor sieben Uhr geht’s los. Wir treffen uns mit den anderen acht Teilnehmern der Tour in den Kakadu National Park, organisiert von Kakadu Dreams. Der Name des Parks hat übrigens nichts mit den Vögeln zu tun, sondern geht auf den Stamm der Gagudju zurück, die in diesem Gebiet seit rund 40.000 Jahren leben. Der gesamte Park gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Wir wollen zwei Tage lang im Park unterwegs sein. Die Route führt von Darwin aus auf dem Arnhem Highway nach Osten. Der erste Halt des Tages ist „Crocodile Cruise“ am Adelaide River. Bevor wir jedoch mit dem Boot auf den Fluss raus fahren, gibt es erstmal ein Frühstück. Parallel dazu haben wir die Gelegenheit nähere Bekanntschaft mit ein paar großen aber harmlosen Schlangen machen. Anschließend gehen wir an Bord.

Bereits nach kurzer Fahrt tauchen die ersten Krokodile auf. Es sind „Salties“ („Estuarine crocodiles“, in Australien auch „Saltwater crocodiles“ genannt), Leisten-Krokodile, die größten lebenden Reptilien auf der Erde. Im Durchschnitt sind sie 4 bis 5 Meter lang, aber es wurden auch schon bis zu 10 Meter lange Exemplare beobachtet. Sie kommen im gesamten tropischen und subtropischen Bereich Südasiens vor.

In Australien findet man sie entlang der Nordküste und in Flüssen, die ins Meer münden. Sie stellen eine ernste Gefahr dar. Im gesamten Kakadu National Park beispielsweise ist das Baden in Flüssen und den vielen Billabongs aus Sicherheitsgründen verboten, mit zwei Ausnahmen (siehe unten). Trotzdem kommt es immer wieder zu Angriffen auf Menschen. Knapp zwei Wochen vor unserem Ausflug ist eine Deutsche Touristin im Park von einem Krokodil getötet worden.

Unser Schiff verlangsamt die Fahrt und die Besatzung holt ein paar Fleischbrocken hervor. Die werden jetzt aber nicht einfach ins Wasser geworfen, sondern an eine stabile Angel gebunden und etwa zwei Meter über das Wasser gehalten. Es ist beeindruckend zu sehen, welche Kraft diese Tiere entwickeln können. Sie wiegen mehrere hundert Kilo, aber sie schaffen es, so hoch zu springen, dass nur noch der Schwanz im Wasser ist.

Die Fahrt auf dem Adelaide River dauert etwa eine Stunde. Anschließend geht es weiter den Arnhem Highway entlang. Unterwegs machen wir nochmal Halt, um uns einige große Termitenbauten anzuschauen. Immer wieder kann man von der Straße aus die Türme sehen. Die Größe dieser Bauwerke ist schon beachtlich. Die Termiten („Cathedral Termite“) sind kleiner als Ameisen, aber ihre Türme sind zum Teil 6 Meter hoch. Dabei wachsen die Bauten pro Jahrzehnt etwa 1 Meter. Die Bauten auf den Photos sind also schon 50 bis 60 Jahre alt.

Ein paar Kilometer vor dem Eingang zum Nationalpark verlassen wir den Arnhem Highway und biegen nach Süden auf die unbefestigte Old Jim Jim Road. Nach rund 90 km kommen wir an eine Furt durch den South Alligator River. Wir nutzen die Gelegenheit, machen erst einmal ein Picknick und genießen die Ruhe im Schatten der Bäume.

Nach weiteren 35 km erreichen wir den Kakadu Highway. Aber schon nach kurzer Zeit verlassen wir ihn wieder und biegen auf den Offroad-Track Richtung Jim Jim Falls. Die Strecke ist etwa 60 km lang, aber sollte mit mindestens zwei Stunden Fahrt rechnen. Der Weg ist nur mit Geländewagen befahrbar. Nach einiger Zeit taucht voraus das Escarpment, die Klippe des Arnhem Plateaus, auf. Das Escarpment bildet die Grenze zwischen dem Tiefland mit seinen Savannen und Monsunwäldern, und dem felsigen Arnhem Land.

Vom Jim Jim Falls Parkplatz ist es noch ein Fußweg von etwa einem Kilometer bis zum Wasserfall. Da 2002 eines der trockensten Jahre seit langem ist und wir am Ende der Trockenzeit unterwegs sind, ist von dem Wasserfall nichts zu sehen, außer dem dunkel gefärbten Gestein. Der See wird von den Park Rangern überwacht und regelmäßig nach Spuren von Krokodilen abgesucht. Auch wenn niemand eine Garantie übernimmt, kann man doch gefahrlos baden. Wenn am Anfang der Trockenzeit keine Krokodile im See sind, wird sich das vor dem Einsetzen der Regenfälle auch nicht ändern. Krokodile legen nur sehr geringe Strecken über Land zurück.

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